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Aktionismus
und Illusionen in der Energiepolitik
von Nationalrat
Hans Rutschmann (SVP), Rafz
Der Bundesrat hat im Februar
2007 beschlossen, seine Energiepolitik auf vier Säulen auszurichten:
Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Grosskraftwerke und Energieaussenpolitik.
Nun, kurz vor den Parlamentswahlen, hat Bundesrat Leuenberger seine
Entwürfe für die Aktionspläne zur Energieeffizienz
und zu den erneuerbaren Energien vorgestellt. Vielleicht soll damit
der Wahlkampf der Linken etwas mehr Schub erhalten. Die Vorschläge
vom Departement Leuenberger lösen jedoch keine Begeisterungsstürme
aus.
Die vorgestellten Aktionspläne sollen den Anteil erneuerbaren
Energien bis zum Jahr 2020 um 50 Prozent steigern, den Verbrauch fossiler
Energien jährlich um 1,5 Prozent reduzieren und den Stromverbrauch
auf dem Niveau von 2006 stabilisieren. Bis Mitte Oktober läuft
nun eine Anhörung, Ende Jahr soll dann der Gesamtbundesrat über
die Aktionspläne entscheiden.
Wirtschaftlich kaum verkraftbar
Einigkeit herrscht wohl im Bestreben, die Energie sparsamer zu nutzen,
umweltfreundlichen Technologien vermehrt zum Durchbruch zu verhelfen
und damit auch den CO2-Ausstoss zu senken. Die Aktionspläne basieren
jedoch auf teilweise illusorischen Zielsetzungen, führen zu einer
unverhältnismässigen Bürokratie und sind finanziell
kaum verkraftbar. Nicht umsonst haben Wirtschaftsverbände umgehend
festgestellt, dass die Vorschläge die Wirtschaft „massiv
behindern und zu einer einschneidenden Wohlstandseinbusse führen“.
Vorschriften, Bürokratie
und Kehrtwende bei der CO2-Lenkungsabgabe
Die Ziele sollen vor allem mit einer Vielzahl von staatlichen Förderprogrammen,
neuen Vorschriften, Lenkungsabgaben und Weiterbildungsprogrammen
erreicht werden. Insgesamt werden 26 verschiedene Massnahmen vorgeschlagen.
So soll beispielsweise eine CO2-Lenkungsabgabe auf Treibstoffen
zwischen 15 und 50 Rappen pro Liter erhoben werden und die bereits
beschlossene CO2-Abgabe auf Heizöl teilweise für ein Förderprogramm
für energetische Gebäude-Sanierungen verwendet werden.
Hier hat im Departement Leuenberger offensichtlich eine Kehrtwendung
stattgefunden. Bei den kürzlichen Beratungen zur Einführung
der CO2-Abgabe wurde immer argumentiert, dieses Geld würde
auf verschiedenen Kanälen vollumfänglich der Bevölkerung
zurückerstattet, sei also kostenneutral. Noch bevor diese Abgabe
definitiv eingeführt wird, wird dieses Versprechen bereits
gebrochen. Erstaunlicherweise will man nun genau das einführen,
welche die Bürgerlichen mit dem Klimarappen II im Rahmen des
CO2-Gesetzes forderten und vom Departement Leuenberger und den Linken
vehement bekämpft wurde. Nämlich konkrete technische Verbesserungen
anstatt eine reine Geldumverteilungsübung. Problematisch sind
aber auch die geplanten Vorschriften im Gebäudebereich. Sie
würden die Kompetenz der Kantone massiv beschneiden, welche
gemäss Energiegesetz alleine für diesen Bereich verantwortlich
zeichnen.
Weiterhin unsichere Stromversorgung
Illusorisch ist auch die Zielsetzung, den Stromverbrauch auf dem
Stand von 2006 zu stabilisieren. Gemäss fast allen ernstzunehmenden
Prognosen wird der Stromverbrauch trotz allen Sparmassnahmen in
Zukunft ansteigen. Eine wachsende Wirtschaft, das Ansteigen der
Wohnbevölkerung, der Bau von jährlich über 30'000
neuen Wohnungen, der Ausbau des öffentlichen Verkehrs, der
vermehrte Einsatz von Wärmepumpen usw. führen zwangsläufig
zu einer Zunahme des Stromverbrauchs. Die vom UVEK angestrebte Erhöhung
des Anteiles der erneuerbaren Energien am Gesamtenergieverbrauch
um ca. 8 Prozent bis zum Jahre 2020 wird deshalb kaum ausreichen,
um den Mehrbedarf an Strom zu decken. Bei den sog. "neuen erneuerbaren
Energien“ wie Kleinwasserkraft, Biogas, Biomasse, Wind, Geothermie
und Photovoltaik wird im Bericht zwar eine Zunahme von 100 Prozent
prognostiziert. Damit steigt dieser Anteil trotz allen geplanten
Anstrengungen jedoch lediglich von 4,7 Prozent auf 9,4 Prozent.
Damit lässt sich die Kernkraft nicht ersetzen.
Die prognostizierte Stromlücke
wird damit immer realistischer. Ab dem Jahr 2020 laufen die Stromverträge
mit ausländischen Stromlieferanten ab. Praktisch zur gleichen
Zeit gelangen die ersten Kernkraftwerke in der Schweiz, Mühleberg
und Beznau I und II an das Ende ihrer Betriebsdauer. Gaslieferungen
aus dem Ausland und Gaskombikraftwerke sind aus Gründen der
Auslandabhängigkeit und der CO2-Problematik keine sinnvolle
Alternativen. Die Aktionspläne zeigen diesbezüglich keinen
realistischen Weg auf, die für unser Land wichtige Energieversorgung
mittel- und längerfristig zu gewährleisten.
Im Interesse unseres Landes?
Die Aktionspläne aus dem Departement Leuenberger lösen
unser Energie- und Umweltproblem leider nicht. Sie sind wohl zu
fest auf den bevorstehenden Wahlkampf und auf eine Rücksichtnahme
gegenüber seiner Partei geprägt. Bundesrat Leuenberger
hat seine Partei vor einiger Zeit mit seinen Aussagen zum Ersatz
bestehender Kernkraftwerke enttäuscht. Mit seinem Aktionsplan
hat er wieder mehr im Sinne der Partei gehandelt. Die Frage stellt
sich nur, ob diese Haltung auch im Interesse einer umweltgerechten
und gesicherten Energieversorgung unseres Landes ist.
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