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Erneuter Umbau der Armee?
von Nationalrat Hans Rutschmann (SVP), Rafz
Eine Mitte-Links-Koalition hat in der Wintersession im Nationalrat
ein Kommissionspostulat überwiesen, welches eine Erhöhung
der Anzahl Durchdiener prüfen will. Dies würde aber zu
einem neuen Umbau unserer Arme führen.
Der Nationalrat hat im Sommer eine Parlamentarische Initiative aus
FDP-Kreisen für eine Verdoppelung der Anzahl Durchdiener von
15 auf 30 Prozent eines Rekrutenjahrgangs gutgeheissen. Nachdem
im Herbst der Ständerat den Vorstoss ablehnte, krebste der
Nationalrat nun etwas zurück. So hat deren vorberatende Kommission
den Vorstoss nun mit 12:10 Stimmen ebenfalls knapp abgelehnt. Hingegen
hat sie grossmehrheitlich die Überweisung eines Kommissionspostulates
mit einem fast identischen Anliegen beschlossen. Mit diesem Postulat
wird der Bundesrat beauftragt, die Vor- und Nachteile einer allfälligen
Aufstockung des gesetzlichen Höchstanteils an Durchdiener zu
prüfen. Das Anliegen bleibt damit weiterhin auf dem Tisch.
Mitte-Links-Koalition funktioniert auch in Armeefragen
Im Rat wehrte sich nur die SVP-Fraktion gegen die Überweisung
des Kommissionspostulates. Eine Koalition von FDP, CVP, Linke und
Grüne unterstützte geschlossen den Vorstoss. Würde
die Zahl der Durchdiener erhöht, hätte dies eine erneute
grundlegende Armeereform zur Folge. Das ist wohl das letzte, was
unsere Armee heute braucht.
Schwächung unserer Milizarmee
Eine Erhöhung der Anzahl Durchdiener geht vor allem zu Lasten
der Milizarmee. Durchdiener werden grundsätzlich durch Berufskader
geführt. Eine Erhöhung würde bedeuten, dass unsere
Milizkader in Zukunft immer weniger Karrieremöglichkeiten hätten.
Gleichzeitig würden die Durchdiener zukünftig eine Art
Elite der Armee bilden, geführt durch Berufskader. Milizsoldaten
kämen bei subsidiären Einsätzen kaum mehr zum Einsatz
und würden dadurch immer mehr an Bedeutung verlieren. Wir würden
damit auf schleichendem Weg eine Berufsarmee einführen. Sodann
sind diejenigen Soldaten, welche die Dienstzeit an einem Stück
absolviert haben, nachher reine Papierreservisten und fehlen in
den Wiederholungskursen. Dies würde zu einer massiven Reduktion
des aktiven Bestandes der Armee führen. Bei einer Verdoppelung,
wie es die Parlamentarische Initiative fordert, würde der aktive
Bestand der Armee um 30-40‘000 Armeeangehörigen verringert.
Damit würden bis zu 20 aktive Bataillone wegfallen.
Eine Erhöhung der Anzahl Durchdiener würde deshalb an
den Grundfesten unserer Armee rütteln. Sie würde nach
der Armee XXI und dem Entwicklungsschritt 08/11 bereits zu einem
dritten Umbau der Armee in kurzer Zeit führen. So müsste
man nach Aussagen hoher Militär ganze Brigaden auflösen
resp. neu organisieren.
Konsolidierung statt Umbau
Die Armee muss nach den bereits erfolgten Umstrukturierungen nun
dringend konsolidiert werden. Mit der erneuten Diskussion um eine
Erhöhung der Anzahl Durchdiener erreichen wir aber genau das
Gegenteil. Das Kommissionspostulat ist deshalb nicht ungefährlich.
Damit erteilt das Parlament dem VBS den Auftrag, Vor- und Nachteile
einer allfälligen Aufstockung des gesetzlichen Höchstanteils
an Durchdiener prüfen. Wenn wir aber überzeugt sind, dass
eine Erhöhung der Anzahl Durchdiener nicht im interesse unserer
Milizarmee ist, könnten wir uns – und vor allem der Verwaltung
– diese Prüfung ersparen. Ein definitiver Entscheid ist
mit der Überweisung des Kommissionspostulates zwar noch nicht
gefallen. Der Beschluss sorgt jedoch dafür, dass die Diskussionen
weitergehen.
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