| Karussell
im VBS - Bundesrat Schmid überfordert
Nationalrat Hans Rutschmann (SVP),
Rafz
Die Armee weist nach den verschiedenen
Reformen gravierende Unzulänglichkeiten auf. Mangels einer
starken Führung entstehen Pannen und Unsicherheiten, welche
zu immer neuen Diskussionen und einem massiven Vertrauensverlust
in die Armee führen. Zudem droht dem VBS-Chef der Verlust der
für die Armee wichtigen Mehrheiten im Parlament.
Nach 1995 wurde die Armee mit der
„Armee XXI“ im Jahre 2003 bereits wieder massiv umgebaut.
Sie wurde verkleinert und völlig umstrukturiert. So wurden
die Armeekorps, Divisionen und Regimenter abgeschafft, das Ausbildungs-
und Logistikkonzept völlig umgestaltet sowie Durchdiener und
Zeitsoldaten eingeführt. Dieser radikale Umbau führte
zwangsläufig zu Kompetenzverlust und Unsicherheiten. Anstatt
jedoch die teilweise erkannten Mängel zu beheben, folgte mit
dem Entwicklungsschritt 08/11 eine weitere Reform und damit weitere
Unsicherheiten. Kein Unternehmen kann in so kurzer Zeit so oft umgebaut
werden, ohne ernsthaften Schaden zu nehmen. Dazu kommt, dass sowohl
die Armeeführung wie der Chef VBS nicht den Eindruck einer
starken Führung hinterlassen.
Lange Mängelliste
Leider ist es bis heute nicht gelungen, die zutage getretenen Mängel
zu beheben. Im Gegenteil. So funktioniert das Ausbildungskonzept
mit der Trennung von Ausbildung und Führung nicht. Man entzog
den abverdienenden Offizieren und Unteroffiziere die Ausbildungsverantwortung,
umgekehrt fehlen die dafür vorgesehenen zusätzlichen Instruktoren.
Zeitmilitärs, welche einspringen müssen, sind dafür
vielfach weder geeignet noch ausgebildet. Generell hat man der Miliz
immer mehr Verantwortung entzogen, was eine militärische Weiterausbildung
immer unattraktiver macht und die Verankerung der Armee in der Bevölkerung
noch mehr schwächt.
Weitere gravierende Mängel sind
im Bereich Logistik und im Personalwesen feststellbar. WK-Truppen
beklagen sich über schlecht gewartetes oder fehlendes Material.
Als problematisch erweist sich auch immer mehr das Stationierungskonzept
der Luftwaffe mit der Konzentration auf die drei Standorte Meiringen,
Sitten und Payerne.
Zweifel bestehen auch bei den Rekrutierungen.
Die heutige Aushebung mit weniger als 2/3 Diensttauglichen kratzt
an der Wehrgerechtigkeit. Wer keinen Dienst leisten will, schafft
es ohne grossen Aufwand sich der Dienstpflicht zu entziehen. Nicht
umsonst ist heute das Problem der Dienstverweigerung praktisch bedeutungslos
geworden.
Schleichende Militarisierung der
zivilen Sicherheit
Stolz präsentiert die Armeeführung jeweils die Einsätze
der Armee zugunsten der Zivilbevölkerung. Dabei vergisst sie,
dass Botschaftsbewachungen und Hilfsarbeiten bei Sportanlässen
weder der Ausbildung dienen noch dem Armeeauftrag entsprechen. Vielmehr
werden unsere Wehrmänner als billige Hilfskräfte missbraucht.
Die Sinnlosigkeit und Langeweile bei der Truppe manifestierte sich
leider eindrücklich beim Einsatz von ungefähr 15‘000
Wehrmänner anlässlich der EURO 08. Die Armee ist für
den Einsatz in besonderen und ausserordentlichen Lagen, wie zB bei
kriegerischen Ereignissen oder bei Naturkatastrophen, vorgesehen.
Langfristig planbare Anlässe gehören nicht zum Armeeauftrag
und unsere Wehrmänner dürfen nicht als Hilfspolizisten
missbraucht werden. Dies führt zudem zu einer schleichenden
Militarisierung der inneren Sicherheit, welche staatspolitisch verfehlt
ist.
Armee in Sackgasse geführt
Nicht nur bei Politikern, auch in der Bevölkerung verstärkt
sich aufgrund der zunehmenden Turbulenzen der Eindruck, dass unsere
Armee ein gravierendes Führungsproblem aufweist. So war der
Fall Nef kein „Unfall“, wie das Bundespräsident
Couchepin auf unerträgliche Art und Weise der Schweizer Bevölkerung
weismachen wollte. Bei einem Unfall handelt es sich um ein plötzlich
Eintretendes, unvorhergesehenes Ereignis. Im Fall Nef wurden im
VBS über Wochen und Monate viele Warnsignale bewusst oder unbewusst
übersehen.
Während Bundesrat Schmid im
Zusammenhang mit der Affäre Schmid/Nef mehrmals betonte, die
Armee sei auf Kurs und geführt, wurde von der gleichen Armeeführung
der Sicherheitspolitischen Kommission offenbar ein „Masterplan
08“ vorgestellt, welcher genau das Gegenteil beweist. Demnach
fehlen der Armee sowohl die personellen wie finanziellen Ressourcen,
um den verfassungsmässigen Auftrag zu erfüllen. So musste
man in der Sonntagspresse den Titel lesen „Die Armee verlottert“.
Damit nimmt nun langsam auch die Presse und damit die breite Öffentlichkeit
war, was die SVP schon lange beklagt. Nämlich, dass die mehrmals
umgebaute Armee ihrer Auftrag in einem Ernstfall nicht erfüllen
kann. Die Armeeplaner im VBS, welche immer noch auf „Sicherheit
durch Kooperation“ vertrauen und sich für Beteiligungen
an internationalen Operationen stark machen, haben die Schweizer
Armee offensichtlich in eine Sackgasse geführt. Für diese
Fehlplanung und die mangelnde Führung trägt deren Chef,
Bundesrat Samuel Schmid, die Hauptverantwortung. Man hat den Eindruck,
dass sich das Karussell im VBS ohne Einfluss der Führung immer
schneller dreht. |